Tibetan Pulsing Yoga
Tibetan Pulsing Yoga 

Artikel und Berichte

2006: Anette Müller, freie Journalistin in Winnipeg und Toronto, Kanada, berichtet über ihre Erfahrung mit Tibetan Pulsing Yoga in der schwersten Zeit ihres Lebens.

Die Diagnose Krebs ist ein erschütterndes Erlebnis. Geschürt wird die eigene Angst durch unpersönliche Statistiken und eine Menge oberflächlicher Medienberichte. Die Aussicht, sich vollkommen in die Hände von fremden Menschen, Krankenhäusern sowie starken pharmazeutischen Medikamenten und Bestrahlung begeben zu müssen verängstigt noch mehr.

 

Als ich meine Diagnose hörte, war mir klar, dass ich alles mir Mögliche unternehmen würde, um mich zu heilen und Heilung zu ermöglichen. Ich gab mir das Versprechen, meiner inneren Stimme zu folgen. Ich war bereit, wirklich loszulassen von all dem, was mich meiner Energie und Lebenskraft beraubte, von negativen Menschen in meinem Umfeld, negativen Erinnerungen in mir sowie Giftstoffen in Nahrung und Wohnraum.

 

Ich war bereit, mich all der Gespenster in meinem mentalen und energetischen Keller zu entledigen. Zu dieser Selbsthilfe gehörten für mich eine starke Beziehung zu meiner schöpferischen Quelle und vertrauenswürdige Menschen, bei denen ich in dieser schweren und wichtigen Phase meines Lebens Unterstützung finden konnte.

 

Schon seit über 20 Jahren interessiere ich mich für Naturheilkunde und ganzheitliches Bewusstsein. Der Same  wurde schon im Elternhaus gelegt, und später erweiterte ich durch Seminare und Bücher mein Wissen in ganzheitlicher Naturheilkunde, Spiritualität, Energiearbeit und Selbsterfahrung. Es ist mir klar, dass jedes körperliche Symptom, welches man in der englischen Sprache oft Dis-ease - not at ease - nennt, ein Hilferuf des Körpers ist, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen darf.

 

Eine ganzheitliche Therapie bedeutet also nicht nur die Beseitigung der Symptome, sondern eine Heilung aller körperlichen, seelischen und geistigen Verletzungen.

 

Meine Schwester Nirmala bot mir direkt an, mich zu besuchen und mir Sitzungen in Tibetan Pulsing Yoga zu geben. Sie praktiziert diese Energiearbeit seit langem mit Begeisterung. Der Gedanke an Familie in Reichweite (ich lebe viele Flugstunden von meiner leiblichen Familie entfernt) bereitete mir innere Ruhe und Freude. Und durch meine eigenen Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen von Energiearbeit wusste ich, dass ihre Arbeit mir irgendwie gut tun würde.

 

Und damit begann eine Reihe mit 20 Sitzungen in Tibetan Pulsing Yoga.

 

Wie mir Nirmala erklärte, arbeitet man im Tibetan Pulsing Yoga mit dem Herzen. Lassen Sie mich das genauer ausführen: Hat man traumatische Erfahrungen, also psychische oder physische Verletzungen erlitten, und das passiert mit geringen Ausnahmen uns allen, werden diese Erlebnisse als bio-elektrische Informationen gespeichert. Diese blockieren dann unser klares Denken und hindern uns daran, das Erlebnis loszulassen, zu vergeben, wieder glücklich zu sein und zu uns selbst zu finden. Tibetan Pulsing Yoga arbeitet an den 24 Energiekreisen des bio-elektrischen Systems unseres Körpers. Es erreicht Blockaden nicht über den Verstand oder Willen, sondern durch die Berührung spezieller Körperpunkte und die Weiterleitung des Pulsschlags unseres Herzens. Dabei können Bilder und vergessene Gefühle hochkommen. Zusammen mit der Neutralität unseres inneren Beobachters können dann Ängste, Wut und falsche Überzeugungen wegschmelzen.

 

Schon bald nach den Sitzungen fiel mir eine Bewusstseinsveränderung auf: Meine negativen Erinnerungen an meine zerbrochene Ehe hatten sich aufgelöst. Zwar war die Erinnerung an die Erlebnisse in dieser Zeit noch vorhanden, aber die damit verbundenen negativen Gefühle waren verschwunden. Ich war klar und rein. Was ich in meiner Ehe als Leiden empfunden hatte, hatte sich nun in eine spannungsfreie Erinnerung verwandelt. Meine bisherigen Versuche, von diesen Erlebnissen loszulassen, hatten soweit lediglich zur Distanzierung von der Situation, aber nicht zu ihrer Auflösung geführt.

 

Sie haben es bestimmt schon selbst erlebt, wie befreiend es ist, wenn sich eine negative Situation vollkommen auflöst. Zu vergeben, einem Menschen, einer Situation, hat eine unvorstellbare heilende Wirkung. Dies ist bestimmt ein Grund, warum spirituelle Meister und Lehren uns immer wieder zum Vergeben auffordern.

 

Gedanken erzeugen Gefühle, und die wiederum erzeugen eine körperliche Manifestation. Im Sporttraining erkennt man schon seit Jahren die Visualisierung eines positiven Resultates als wichtigen Teil eines erfolgreichen Trainings an. Unsere Reaktion, also wie wir Schockerlebnisse und Stressfaktoren verarbeiten, kreiert unser Wohl- oder unser Unwohlsein.

 

Wie die Weisheit sagt: Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Lehrer. Für mich geht die Studienreise weiter. Ich fühle mich sehr gesegnet durch die Bekanntschaft und Hilfe vieler positiver Menschen, der Helfer, die es wagen, den unbekannteren Pfad zu wählen, und spirituellen Meister, die in meinem Leben erschienen sind. Und der Puls des Tibetan Pulsing Yoga ist Teil meiner Reise zurück zur Freude und zu mir. 

Nachtrag: Die Arbeit mit meiner Schwester war sehr intensiv. Wir hatten nur drei Wochen Zeit, vom 24. August - 13. September 2005. Wir machten die erste Sitzung gleich am Tag meiner Ankunft, wollten natürlich so viel wie möglich in dieser kurzen Zeit in Bewegung bringen. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass Anette nie die Verantwortung abgegeben hat. Sie hat sich mit allen Möglichkeiten auseinandergesetzt und sich dann die Unterstützung geholt, die ihr zugesagt hat.

Sie wusste genau, die Heilung kommt von innen.

So verstehe ich auch meine Arbeit: Ich unterstütze die Person, die sich mir anvertraut, bei ihrer eigenen Heilung. Ich helfe ihr durch die tiefe Entspannung, die Tibetan Pulsing Yoga ermöglicht, sich mit vergessenen Teilen ihres Selbst zurückzuverbinden und diese aus der urteilsfreien Perspektive des inneren Beobachters zu betrachten. Transformation ist ein klarer Schritt von der Vergangenheit in die Gegenwart. Um heil zu werden, muss man durch Dinge durchgehen, und das ist erst möglich, wenn wir uns selbst urteilsfrei beobachten können. Das Ego will nichts sehen. Es ist also wichtig, eine Ebene zu finden, auf der der Verstand wenig zu sagen hat. Tibetan Pulsing Yoga arbeitet mit der Energie des Herzens am bio-elektrischen Körper des Menschen. Dadurch können sich erlebte Schocks und Schmerzen von den Erinnerungssträngen trennen, während das klare Bild erhalten bleibt. Es ist wie eine Reinigung der Seele.

Tibetan Pulsing Yoga ist also keine Heilmethode, sondern eine Methode zur Transformation und Selbstfindung, die stärkste für den menschlichen Körper noch mögliche. Es bewirkt eine tiefe grundlegende Veränderung auf molekularer Ebene. Aber das funktioniert nur, wenn wir auch wollen. Veränderung geschieht nur mit der inneren Erlaubnis. Man kann niemanden zur Transformation zwingen und keine Macht der Welt kann uns ändern, wenn wir das nicht wollen.

2010: In Memoriam: Ach, ich wünschte, wir hätten weiterarbeiten können! Die 3 Wochen mit meiner Schwester waren die schönste gemeinsame Zeit unseres Lebens. Soviel Heilung ist da geschehen, nicht nur für sie, sondern auch für mich! Aber Kanada und Deutschland liegen so weit auseinander, und meine Schwester ging ihren eigenen Weg, musste ihren eigenen Weg gehen, wie jeder von uns. Nachdem sie ohne jegliche Chemotherapie von ihrer OP im November 2005 sehr schnell genesen war, lebte sie weiterhin sehr gesund, fand spirituelle Begleitung in Toronto und hatte die besten Blutwerte überhaupt. Als im vierten Jahr wieder der Verdacht auf Krebs aufkam, hielt sie ihren immensen Lebenswillen dagegen: Sie verbrachte   einen schönen Sommer mit ihrem Freund, verreiste mit ihm nach Puerto Rico, ging jedes Wochenende mit ihm zelten oder mit Silky, ihrem Hund, spazieren. Gleichzeitig führte sie Reisegruppen durch ihre geliebte Wahlheimat Kanada. Im Herbst kam sie nach Deutschland und nahm hier sogar noch eine Arbeit an. Aber so nah bei uns, ihrer Ursprungsfamilie, führte ihr Weg sie doch weit von uns weg: Am 10. Februar 2010 trat meine Schwester Anette ihre letzte Große Reise an. Ihr Lachen hallt in uns nach...


Till we meet again.
Anette, you are loved, forever and ever... 
 
Cherish every moment, when you are with the ones you love. (Bruce Chikowsky)

Bis wir uns wiedersehen.
Anette, fühl Dich geliebt auf ewig...

Nutzt jeden Moment, in dem Ihr mit Euren Lieben sein könnt.

20.10.2016:

Liebes, heute wärst Du 55 Jahre alt geworden, aber was ist Zeit??? Die drei Wochen mit Dir in Kanada und die letzten Tage mit Dir in Deutschland zählen mehr als ein ganzes Leben! Wären wir uns da nicht so nahe gekommen, würde ich Dich jetzt nicht so vermissen! So ist das mit der Freundschaft und der Liebe!

...
"Was bedeutet ›zähmen‹?«
»Das wird oft ganz vernachlässigt«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet ›sich vertraut miteinander machen‹.«
»Vertraut machen?«
»Natürlich«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich nur ein kleiner Junge, ein kleiner Junge wie hunderttausend andere auch. Ich brauche dich nicht. Und du brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich ein Fuchs unter Hundertausenden von Füchsen. Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzigartig sein. Und ich werde für dich einzigartig sein in der ganzen Welt …«
....
»Und dann schau! Siehst du dort die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Weizen ist für mich ohne Nutzen. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig! Aber du hast goldene Haare. Wie wunderbar es sein wird, wenn du mich gezähmt hast! Der goldene Weizen wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Brausen des Windes durch den Weizen lieben …«
....
So also wurde der kleine Prinz mit dem Fuchs vertraut. Und als die Stunde des Abschieds nahe war:
»Ach«, sagte der Fuchs. »Ich muss weinen.«
»Du bist selbst daran schuld«, sagte der kleine Prinz, »ich wünsche mir nicht, dass es dir schlecht geht, aber du wolltest von mir, dass ich dich zähme …«
»So ist es«, sagte der Fuchs.
»Aber nun musst du weinen!«, sagte der kleine Prinz.
»So ist es«, sagte der Fuchs.
»So hast du nichts gewonnen!«
»Ich habe die Farbe des Weizens gewonnen«, sagte der Fuchs.
....
»Lebe wohl«, sagte er …
»Lebe wohl«, sagte der Fuchs. »Hier ist mein Geheimnis. Es ist sehr einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.«
»Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar«, wiederholte der kleine Prinz, um es sich einzuprägen.
(Antoine de Saint-Exupéry)

2007: TIBETAN PULSING YOGA...
..... ist eine Körperarbeit, die sich in jeder Sitzung ein wenig anders präsentiert, mal sanft - wie eine Meeresbrise, mal ausgleichend - wie ein Wellnessbad, mal kraftvoll - wie eine Massage von einem Bodyguard. Ein bisschen wie Akupressur, aber auch Assoziationen zu Irisdiagnose und Horoskopdeutungen tauchen auf. Nirmala Müller arbeitet mit dieser Methode seit 1989.


Daniela Reil vom ganzheitlichen Veranstaltungskalender Körper Geist Seele Berlin besuchte sie.

Die Methode

Tibetan Pulsing Yoga ist eine sanfte Körperarbeit, die auf altem tibetischen Wissen basiert. Durch Fingerdruck am Knochengerüst kann der Energiefluss im Körper harmonisiert werden, was zu mehr Vitalität und Lebensfreude verhelfen kann. Schmerzliche Erlebnisse werden als elektrisch-negative Ladungen in unserem Nervensystem gespeichert, blockieren unsere Energie und verursachen neues Leiden, besagt dieses jahrtausendealte, in tibetischen Klöstern gesammelte Wissen, was in zeitgemäßer, vereinfachter Form von Dheeraj Murley als Tibetan Pulsing Yoga begründet wurde. Es nutzt die elektrisch-positive Energie des Pulsschlags, um die o.g. Ladungen aufzulösen, Energie auszubalancieren, Leiden zu lindern und versteckte Ressourcen zu öffnen.

Die Grundlage, auf der gearbeitet wird, sind 24 verschiedene Energiekreise im Körper. Zu jedem Energiekreis gibt es bestimmte Zuordnungen: Organe, Farben, einen thematisierten Leitsatz, Gefühlsmuster und Glaubenssätze, unterstützende, in Resonanz schwingende Musik.

Praxisbeispiel

Nirmala Müller arbeitet bereits seit 1989 mit Tibetan Pulsing Yoga, in denen sie weit über 2000 Einzel- und Gruppensitzungen (Sessions) gegeben und mehrere Prüfungen abgelegt hat. Sie hat ihren Sessionraum in ihre kleine Kreuzberger Wohnung integriert, die sie für jede Sitzung liebevoll und akkurat vorbereitet: So empfängt mich schon beim Eintreten angenehmer Orangenduft aus der Aromalampe, eine weiche Matte lädt zum Ausstrecken ein und ein Tablett mit Tee steht bereit. 

 

Der Wegweiser in die Körperarbeit: das tibetische Augenlesen

Um sich den ersten (noch groben) Eindruck über die Befindlichkeit des Klienten zu machen, werden die Augen, zuerst das rechte (männliche), dann das linke (weibliche) Auge „gelesen“. Mit einer Spezial-Lupe, die das Auge auf ein 7faches vergrößert, kann Nirmala im Auge Formen, Punkte, Risse, Ausfransungen o.ä. erkennen, die Anhaltspunkte für bestimmte Ängste, Verhaltensmuster, Gemütszustände, Lebensthemen, Schwächen u.a. geben. All dies kann sowohl im positiven wie im negativen Pol gelebt werden, das heißt, hier steckt positives Potential. 2 Kartogramme (für jedes Auge eines) dienen Nirmala als Unterstützung, um die vielfältigen Zuordnungen für die einzelnen Bereiche im Auge klassifizieren zu können. Es ist ein wenig vergleichbar mit einer Irisdiagnose, oder wenn man noch weiter gehen will, eine Art „Horoskop im Auge“.

Bei mir kristallisieren sich Schwachstellen in der Leber, im Hara und in der Blase heraus. Wir beschließen gemeinsam, für jeden Bereich je eine Sitzung zu machen.

1. Sitzung: Leber „Angst vor Veränderung“

Die Leber (zugeordnete Farbe: grün) steht im Tibetan Pulsing Yoga für Angst vor Veränderung. Man hat sich eingerichtet in seinem Leben, fühlt sich da, wo man steht, sicher und will um Himmels willen diese vermeintliche Sicherheit um nichts in der Welt aufgeben. Alles soll so bleiben wie es ist. Nur leider hat dieses Konstrukt einen Haken: Wenn alles so bleibt wie es ist – ist es stinklangweilig! Fazit: Man steckt fest. Als Nirmala mir dieses „tibetische Leber-Konzept“ erläutert, muss ich 300 mal zustimmend nicken. Ja, darin erkennen ich mich zu 100 % wieder. Es wird eine sehr ruhige Sitzung, wenn auch von sehr flotter Puccini-Musik untermalt, in der die entsprechenden zum „Leberthema“ passenden Puls-Punkte am Kopf und Körper bis zu 20 Minuten lang gedrückt werden.

Eine Sitzung wirkt in der Regel 2 - 3 Tage nach. Außer, dass ich mich sehr entspannt und ausgeglichen fühle, passiert erst mal nichts weiter.

2. Sitzung: Hara „Mein Leben ist in Gefahr“

Nach 4 Tagen wird in der 2. Sitzung an meinem Hara (es liegt direkt unterhalb des Bauchnabels) weitergearbeitet. Dort kommt die Lebenskraft her oder eben nicht, wenn dort Blockierungen vorliegen, es steht thematisch für Schwierigkeiten mit, schlimmstenfalls Hass auf Männer, zugeordnete Farbe ist rot. Diesmal erlebe ich eine ganz andere Art der Arbeit. Nirmala liegt seitlich quer zu mir und „pulst“ mit dem Fuß mit starken, rhythmischen Stößen in mein Hara, während sie gleichzeitig mit den Händen die entsprechenden „Hara-Puls-Punkte“ an den Knöcheln drückt. Auch diesmal dauert jede Griffkombination lange 20 Minuten und anfangs habe ich das Gefühl, meine ganzen Därme werden durch dieses dynamische Bearbeiten durcheinandergeschüttelt. Es tut zwar nicht weh, aber sehr angenehm ist es auch nicht gerade, und ich hoffe eindringlich, dass meine Därme hinterher an ihren angestammten Platz zurückfinden. Irgendwann löst sich dieses unangenehme Gefühl allerdings auf, wird zunehmend neutraler und zum Schluss richtig angenehm wie eine Massage. Gleichzeitig löst sich irgend etwas in mir und Tränen fließen. Was genau sich löst, ist für mich unklar, wobei es, wie Nirmala betont, auch völlig unwichtig ist, „es zu wissen“. Diese Arbeit läuft nicht über den Verstand. Hier wird an der Bioelektrik des Körpers gearbeitet; somit vollziehen sich die Auswirkungen zuerst in Bereichen hinter den Verstandes- und Bildinhalten.

Zum Ausklang deckt Nirmala mich jedesmal sehr liebevoll mit einer Decke zu, und während die jetzt generell sehr ruhig gehaltene Musik weiterläuft, kann ich noch ca. 10 Minuten ungestört die Sitzung für mich ausklingen lassen. Ich lasse in dieser Ruhephase noch mal die 45-minütige Behandlung Revue passieren und mir fällt auf, dass ich wiederholt den Gedanken hatte, zu jemandem (ein Mann aus meinem privaten Bekanntenkreis), mit dem ich des öfteren Probleme habe, doch mal ganz nett zu sein. Aha?! Hara – Hass auf Männer. Tut sich da was?? Natürlich hätte ich es lieber, wenn er sich ändert. Das wäre das einfachste. Nur leider tut er mir nicht den Gefallen. Könnte ja sein, er denkt: Am besten wäre es, wenn sie sich ändert. Habe ihm bisher auch nicht den Gefallen getan. Nur, wenn ich mein Verhalten ändere – muss sich im Außen auch etwas verändern. Es wäre ja einen Versuch wert .......

Dringend wird empfohlen, im Anschluss an eine Sitzung viel zu trinken, um den Reinigungsprozess auch auf der körperlichen Ebene zu unterstützen und die gelösten Spannungen mit dem Urin auszuscheiden.

Aber es scheint sich offenbar nicht nur auf der Nieren-Blasen-Ebene etwas zu lösen. Abends auf dem Sofa läuft mir stundenlang wässriges, gelbes Sekret aus der Nase. Eine Erkältung, die vorher nie richtig herausgekommen war und feststeckte, will sich anscheinend jetzt endgültig und prompt verabschieden. Am nächsten Morgen wache ich mit klarem Kopf, freier Nase, die tiefes Durchatmen erlaubt, und beweglichen Gelenken, die keine Gliederschmerzen mehr beeinträchtigen, auf.

3. Sitzung: Blase „Etwas stimmt nicht mit mir“

Weitere 7 Tage später wird sich meiner Blase gewidmet. Sie steht im Tibetan Pulsing Yoga für Stress und Kontrollbedürfnis, zugeordnete Farbe ist blau. Auch wenn ich auf der körperlichen Ebene keinerlei Probleme mit der Blase habe (sie wird täglich recht gut durchgespült, da ich normalerweise einen sehr beachtlichen Durst habe und locker 3 Liter am Tag trinke), ist die damit verknüpfte Kontroll-Thematik durchaus eines meiner Themen. Ich hätte nun mal gerne, dass ich das Leben kontrollieren kann. Wenn sich mir die Kontrolle entzieht, empfinde ich „mein Leben in Gefahr“ = Hara! – und dass aus dieser Situation leicht Stress entstehen kann, ist dann nicht mehr weit hergeholt.

Durch die Tibetan-Pulsing-Blasen-Sitzung kann die Blase von Anspannung, Stress und Härte befreit werden, so dass sich anstatt dessen Humor und Gelassenheit entwickeln können. Gut, mit Humor bin ich einigermaßen gesegnet, aber eine Portion Gelassenheit könnte ich durchaus noch vertragen.

Und erneut unterscheidet sich diese Sitzung von den 2 vorangegangenen. Meine Blasenregion wird mit einem „Pumping“ bearbeitet – ein sehr schnelles, dynamisches, rhythmisches Aktivieren der entsprechenden „Blasen-Punkte“, das den vollen Körpereinsatz von Nirmala erfordert. Während sie für die Hälfte der Sitzung so richtig körperlich arbeiten muss, heißt es für mich diesmal einfach nur genießen. Und während ich so daliege und mich dieser Sitzung regelrecht hingebe, habe ich teilweise das Gefühl, als ob sich mein Astralkörper von mir löst. Wobei sich hier natürlich mein kontrollierender Verstand einschaltet und fragt, ob es nicht vielleicht auch ein anderer Körper sein könnte, oder noch was ganz anderes und überhaupt, und wieso, und weshalb.

 

Das besonders Entspannende an Tibetan Pulsing ist aber, dass ich hier, wie schon gesagt, nichts verstehen muss. Das lockert die ganze Sache so angenehm auf und verschafft mir ein vollständiges Energie-Gleichgewicht, was auch nach der Sitzung noch mehrere Tage anhält. Irgendwann raunzte zwar mein Verstand noch mal ungnädig rum, ob er denn nun überhaupt nicht mehr gefragt wird. Ganz bestimmt nicht in Bezug auf eine Blasen-/Kontroll-Sitzung, entschied ich. „Mir wird hier nix erklärt. Aber hinterher soll ich einen Artikel darüber schreiben!“, war sein grummeliger Kommentar. Ja, ja ...... hast ja recht ....... aber das schaffen wir schon ..

Da in der Regel Menschen im Leben mit verschiedenen Verletzungen konfrontiert wurden, zeigt sich dies auch an verschiedenen Energiekreisen im Körper. Um ein Thema tiefgehend zu bearbeiten und tiefliegende Belastungen wirklich nachhaltig zu lösen, werden 7 Sitzungen angeraten, wobei alle 7 Sitzungen an einem Energiekreis ausgeführt werden.

2002: DIE REISE INS HERZ

Der Mensch speichert jedes Erlebnis als elektrischen Impuls im Nervensystem. Die negativen können zu Blockaden führen, über die man sich in der Regel nicht bewusst ist. Tibetan Pulsing nutzt die bio-elektrische Energie, um von diesen Blockaden zu befreien und einen Zustand tiefer Entspannung zu erreichen.

 

Nirmala Müller führt genauer in die Hintergründe zu Tibetan Pulsing Yoga ein. 

  Kennen Sie diese kleinen gelben Spielzeugküken, die piepsen, wenn man sie in die Hand nimmt? Der Trick ist, dass sie auf der Unterseite eine Platine haben und ein Stromkreislauf geschlossen wird, wenn man sie mit beiden Händen berührt. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Kreis und halten sich mit Ihren Nachbarn an der Hand, zwei Menschen im Kreis stellen dn Kontakt zum Küken her: Es wird fröhlich drauflos piepsen. Lassen Sie nun die Hand Ihres Nachbarn los. Das Küken hört auf zu piepsen – klar, der Stromkreislauf ist ja unterbrochen.


Nun tippen Sie mal Ihrem Nachbarn auf die Nase oder berühren sein Knie oder seinen Rücken, egal wo, das Küken wird wieder anfangen zu piepsen. Egal, wo wir den anderen berühren, egal, ob direkt auf der Haut oder durch die Kleider hindurch, es fließt ein elektrischer Strom von einem Körper zum anderen.

Das ist die Energie, mit der wir im Tibetan  Pulsing arbeiten.

 

Tibetan Pulsing Yoga setzt am bio-elektrischen System unseres Körpers mit seinen 24 verschiedenen Energiekreisen an. Jeder dieser Energiekreise hat seine Entsprechung in körperlichen, emotionalen und geistigen Qualitäten und jeder schwingt in seiner eigenen Frequenz. Jeder dieser Energiekreise ist über bestimmte Punkte am physischen Körper und über Farben und Töne in seiner Frequenz zu erreichen.

Alles, was wir in unserem Leben erfahren, wird als elektrischer Impuls in unserem Nervensystem gespeichert - und kein Mensch wächst ohne Schock oder Traumata auf. All diese Erlebnisse sind in unserem Nervensystem als bio-elektrische Informationen gespeichert. Ein Schock, soeben oder vor vielen Jahren erlebt, blockiert unser klares Denken - eine hinderliche Überzeugung entsteht. So wird einer zum Duckmäuser, weil ihm der Weg zu seinem Heldenmut durch ein Trauma blockiert ist, oder ein anderer spielt mit Selbstmordgedanken, weil eine alte elektrische Information in seinem Biocomputer ihn nichts Positives an einer Veränderung fühlen lassen kann. Oft wissen wir gar nicht mehr, warum wir so denken, oder wir erinnern uns an das traumatische Erlebnis und resignieren bei der Wucht der Erinnerung. In beiden Fällen erscheint uns der Lauf der Dinge im Allgemeinen und unser Leiden im Besonderen als unabänderlich. In Wirklichkeit steckt eine alte Information als negative elektrische Ladung in uns fest und hindert uns am Glücklichsein.

Tibetan Pulsing Yoga erreicht diese Blockaden nicht über den Verstand, den Willen oder Körperübungen, sondern mit dem Herzen. Das ist wörtlich zu verstehen. Wir nehmen Kontakt mit speziellen Punkten am Körper des anderen auf, spüren den Pulsschlag dort und lassen ihn in Stille durch unser eigenes Herz fließen. Im Rahmen der Gruppe werden wir dabei durch die Gruppenenergie unterstützt und geschützt, und getragen von Musik, die auf die Schwingung des Energiekreises abgestimmt ist. Durch die Zufuhr von Energie wird der Stromkreis ausbalanciert, und in der daraus resultierenden tiefen Entspannung ist es möglich,  wieder zu Hause bei sich selbst anzukommen. Die Wahrnehmung wird gleichermaßen entspannt und wach, dadurch kann der innere Beobachter wachsen. Kommen Bilder oder vergessene Gefühle hoch, werden sie nun wie ein Film und ohne die Wucht der emotionalen Identifikation wahrgenommen. Oft unbemerkt und unspektakulär schmelzen Ängste und vereiste Wut, und manch einer mag sich über sein vermehrtes Wohlbefinden und seine gesteigerte Vitalität wundern.

Die ursprünglich negative Ladung steht uns nach ihrer Entspannung als Potential zur Verfügung, und mit der gewachsenen Fähigkeit zu beobachten kann nun die Wahl getroffen werden, diese Kraft im Positiven zu nutzen: So mag sich der Angsthase nun zum Beispiel lieber für seine Courage entscheiden, der Depressive fühlt seine innere Stärke und mag vielleicht eine  Veränderung in seinem Leben riskieren. So betrachtet gewinnen unsere Leidens- und behindernden Lebensmuster eine ganz neue Qualität, und es ist spannend, die in ihnen steckende Energie zu befreien und zu nutzen!


(erschienen in Körper Geist Seele Aug/Sep 2002)